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Hallo, ich bin Nadja Katzenberger, Expertin für Kommunikation, Yoga und Schreibcoaching in München – und das ist mein Blog zu genau diesen Themen. Mehr über mich erfährst du hier

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Frau Hände in Gebtetshaltung, ihr Gesicht ist nicht zu sehen

Muss ich Euch alle sehen?

Will ich beim Online-Yoga gesehen werden oder einfach nur in Ruhe meine Praxis machen? Klingt banal, ist aber eine wichtige Frage. Denn nicht jede fühlt sich wohl damit, die Kamera anzulassen – auch wenn Yogalehrer*innen argumentieren, dass sie ihre Teilnehmer*innen sehen müssen. Finde ich nicht und rate Dir: Lass die Kamera aus.

Ein Mittwochmorgen um 6.45 Uhr. Ich bin kein Morgenmensch, aber ich quäle mich aus dem Bett. Am Abend vorher fand ich es noch eine klasse Idee, mich für eine Yogastunde über Zoom um 7 Uhr anzumelden. Und die auch gleich zu bezahlen. Und was schon bezahlt ist, muss auch gemacht werden.

Mit müden Augen und Haaren, die mir dermaßen zu Berge stehen, als gäbe es mindestens 32 Himmelsrichtungen logge ich mich also in die Stunde dieser sehr coolen Berliner Yogalehrerin ein. (Das sind so Sachen, die in der Corona-Krise plötzlich möglich sind: Einfach mal morgens um 7 eine Yogastunde in Berlin mitmachen, von München aus.) Zum Glück zeigt Zoom mir ja kurz mein Kamerabild, bevor ich an einem Meeting teilnehme und als ich mich da so sehe, mit meinen kleinen Augen und den abstehenden Haaren, denke ich: Ja, so dürfen mich Mann und Kinder gerne sehen, sonst aber bitte keiner, schon gar nicht in Berlin. Kamera aus. Ich habe an der Yogastunde dann ohne Video und Ton teilgenommen, war gar kein Problem.

Kamera an? Kamera aus?

Aber immer wieder höre ich, dass Yoga-/Pilates-/Fitness-Trainer*innen in ihren Online-Klassen darauf bestehen, dass die Teilnehmer*innen ihre Kameras anlassen. Ich unterrichte selber über Zoom und kann die Gründe dafür ja sogar teilweise nachvollziehen: Es ist auch nach einigen Wochen immer noch total komisch, in den leeren Raum zu unterrichten. Außerdem lebt eine gute Yogastunde ja davon, dass ich die Teilnehmer*innen sehe, darauf eingehe, wie sie sich bewegen und sie entweder mit Worten oder auch mit leichten Berührungen korrigieren kann. Das fällt jetzt alles weg. Und ich kann sogar ein bisschen verstehen, dass manche Yogalehrerin/Fitnesstrainerin den Anspruch hat, das auch in ihren Online-Klassen zu bieten. Dass sie deshalb während der Stunde ihre Teilnehmer*innen sehen und auf sie eingehen wollen.

Ich habe damit meine Probleme.

Meine eigenen Yogastunden filme ich mit der Laptop-Kamera. Zum einen, weil das ausreicht, zum anderen, weil Webcams für mindestens drei Monate ausverkauft sind. Überall. Ich muss den Laptop also ziemlich weit wegschieben, um mich und meine Matte aufs Bild zu bekommen. Das hat in meinen Augen Priorität: Dass die, die mit mir üben, mich gut sehen und hören. Passt das, können sie sehr wahrscheinlich gut mitmachen.

Auch für mich ist es ungewohnt, die komplette Stunde „mitzuturnen“ und dabei die ganze Zeit anzusagen und zu erklären. Im Studio übe ich nur ganz wenig mit – übrigens nicht aus Faulheit, sondern um mich selbst zu schonen und mich gut auf meine Teilnehmer*innen konzentrieren zu können. Dann kann ich nämlich schon korrigieren, während ich eine Übung ansage.

Online kann ich nur erahnen, was für Probleme oder Fehler bei einer Asana auftauchen und das thematisieren. Ich kann wahrnehmen, wo ich selbst Korrekturen brauche und das gleich in meine Ansage aufnehmen.

Was ich nicht kann:

Während ich konzentriert unterrichte, auf einem relativ kleinen Bildschirm die noch kleineren Bildausschnitte der Teilnehmer*innen begutachten und darauf eingehen. Für mich ist da einfach eine technische Grenze erreicht. Mein Online-Unterricht würde sehr darunter leiden, hätte ich den Anspruch, dabei jeden einzelnen Yogi anzusehen.

Aber ich sehe hier noch eine andere, viel wichtigere Grenze erreicht: Zu bestimmen oder zu verlangen, dass die Teilnehmer*innen ihre Kameras an- und sich begutachten lassen, ist einfach übergriffig.

Wenn wir viel online unterwegs sind, uns an Live-Meetings und Videocalls gewöhnen, damit kein Problem haben, entgeht uns vielleicht, dass es nicht für jede so einfach ist. Oder dass es einen Unterschied macht, ob ich am Schreibtisch mit meiner Chefin telefoniere oder in der Yogahose auf dem Wohnzimmerboden liege.

Es macht einen Unterschied.

Eine Yogastunde ist für viele Menschen kein Raum, in dem sie sich auf Anhieb wohlfühlen. Auch wenn das natürlich ihr Wunsch ist (und dem sie mit einer guten Stunde definitiv näher kommen). Nicht jede ist im Setting einer Yogastunde im Studio gleich zu Hause: Auf relativ engem Raum zusammen mit vielen (fremden) Menschen, mit relativ wenig Klamotte am Leib, Körpergeruch (eigener und fremder), Bewegungen, die einen manchmal lächerlich aussehen lassen, das Schamgefühl, wenn der eigene Körper einem nicht gut genug erscheint.

Das ist nicht automatisch weg, nur weil man zu Hause im sicheren Wohnzimmer übt. Nicht jede hat eine stylishe Couch, vor der sie üben kann. Kinder laufen durchs Bild, Telefone klingeln, Mitbewohner vergessen, dass doch jetzt Yoga ist. Und dann kann es einem auch ein komisches Gefühl machen, dass dazu noch die Kamera läuft und man sich beobachtet fühlt.

Es ist normal, jetzt unsicher zu sein: Wer sieht mich an? Und wie?

In einer regulären Yogastunde kann ich das spüren, ich kann durch meine Körpersprache oder mit Worten klar machen, was ich nicht möchte (und das fällt vielen schon schwer!) – aber online? Da möchte ich mich doch eigentlich auf mich konzentrieren und die schöne Yogapraxis, die ich mir jetzt gönne.

In mir taucht ein innerer Widerstand auf…

…wenn Yogalehrer*innen (oder alle aus dem Dunstkreis „Fitness“) etwas bestimmen oder verlangen. Natürlich fände ich es im Studio auch gut, wenn sich die Anfängerin mit ihrer Matte nicht hinten an die Wand drückt, sondern nach vorne in meine Nähe kommt. Vor allem, damit sie mich gut sehen kann, weniger umgekehrt. Mir wäre es auch lieb, wenn alle ohne Socken üben würden (dazu ein ander Mal mehr). Ich kann nur darauf hinweisen, die Socken besser auszuziehen oder dazu einladen, nach vorne zu kommen. Aber ich werde niemanden überreden, seine Matte zu verlegen oder barfuß Yoga zu machen.

„Dein Körper – dein Yoga“

Diesen Satz habe ich vor Monaten in einer Stunde gehört und er klingt immer noch in mir nach. Auch wenn mich natürlich die Lehrerin anleitet, bestimme doch ich, wie weit ich gehe. Weiß doch ich, was mein Körper kann und wo so seine Grenzen sind. Entscheide doch ich, ob ich die Kamera nun anmache oder aus. (Dasselbe gilt übrigens für den Ton.)

Was kann ich Dir raten?

Mir ist es wichtig, dass Du Dich in einer Yogastunde so wohl wie nur möglich fühlst. Wenn Du dazu die Kamera ausstellen und die Socken anbehalten möchtest, ist das in Ordnung.

Mein Wunsch ist es, dass Du weißt, wo Deine Grenzen sind, auch wenn es nur banale Dinge sind. Gerade in banalen Situationen! Übernimm die Verantwortung für Dich, Deinen Körper, Dein Yoga.

Das ist manchmal schwer. Und deshalb machst Du die Kamera ab jetzt einfach aus.

Deine

Wie geht es Dir, wenn Du online an Yoga- oder anderen Stunden teilnimmst? Kamera an oder aus? Hast Du Dir darüber schon Gedanken gemacht? Dich unwohl gefühlt?

Erzähl es mir gerne in den Kommentaren!

Hier geht es zu meinem Online-Yoga-Angebot 🙂

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